„Wir sollen nicht der Arbeit dienen, sondern die Arbeit soll uns dienen.“

Ein Portrait über Frithjof Bergmann
Ein Portrait über Frithjof Bergmann

Frithjof Bergmann ein großer Philosoph unserer Zeit und geistiger Vater der „Neuen Arbeit“ ist am Pfingstmontag, den 24. Mai 2021 im Alter von 90 Jahren gestorben. 

Seine Vision war, ein komplett neues Arbeitsmodell zu schaffen, das eingebettet ist in eine gemeinschaftliche Grundversorgung mit modernster technologischer Unterstützung. Im Kern geht es dabei um sinnvolle Beschäftigung, Selbstwirksamkeit, Freiheit, Teilhabe an Gemeinschaft und Selbstversorgung. 

 

Ein bewegtes Leben

Frithjof Bergmann wird 1930 in Sachsen-Anhalt geboren und flieht in der NS-Zeit nach Österreich. Schon als junger Erwachsener formuliert er seine tiefgreifenden Gedanken über die „Welt, in der wir leben wollen“ in einem Aufsatz für einen Wettbewerb. Er gewinnt ihn und damit ein Studienjahr an der Westküste der Vereinigten Staaten. So kommt es, dass er Ende der Vierziger Jahre auswandert und fortan, fernab der Heimat, ein bewegtes Leben führt.

Er sammelt Erfahrungen in verschiedenen Jobs, ist Hafenarbeiter, Tellerwäscher, Selbstversorger, Preisboxer und vieles mehr, bevor er in Princeton Philosophie studiert und seine Thesen über ökonomische, politische und kulturelle Chancen und Möglichkeiten ausarbeitet. 1958 wird er Inhaber eines Lehrstuhles für Philosophie und Anthropologie an der Universität von Michigan. Auch wenn er 1999 emeritiert wird, hört er nicht auf zu arbeiten – im Gegenteil: Er trägt seine Ideen weiterhin in die Welt. 

 

Neue Arbeit – New Work

Die Themen Freiheit und Arbeit werden zu seiner Lebensaufgabe. Ausgehend von der Untersuchung des Freiheitsbegriffs entwickelt er die Vision einer humaneren und lebenswerten Zukunft, durch den intelligenten Gebrauch innovativer Technologien. Seinen ersten Philosophieband mit dem Titel „Die Freiheit leben“ veröffentlicht er 1977, sein Grundlagenwerk „Neue Arbeit, Neue Kultur“ erscheint 2004 im Arbor Verlag. 

„Arbeit in ihrer heutigen Form demütigt den Menschen in erheblichem Maß. Mit dem Lohnarbeitssystem wird ein absurder Zustand am Leben erhalten, der den Menschen kleinmacht. Die Neue Arbeit ist eine Alternative zum Lohnarbeitssystem.“, schreibt er. 

Im Mittelpunkt seiner Vision stehen dabei stets die Fragen: „Was ist es, was Du wirklich wirklich willst?“ und „Wie können wir Arbeit zu dem machen, das uns stärkt und uns gute Energien gibt?“  

Mit diesen Fragen revolutioniert er den Blick auf Arbeit: Er denkt und organisiert sie komplett neu, fragt, wo die Talente und Stärken des Einzelnen liegen und wie diese mit der Arbeitswelt verknüpft und umgesetzt werden können. Sein Ziel dabei ist, Arbeit humaner, eigeninitiativer und phantasivoller zu gestalten.

 

Neue Kultur – New Culture

Seine Idee bleibt nicht nur trockene Theorie in Büchern, Vorlesungen und Beratungen. Er setzt sie in die Tat um und gründet weltweit Zentren für Neue Arbeit. Zeit seines Lebens trägt er sein Wissen und Können auf eine sehr charmante und offene Art in Regierungsorganisationen, Unternehmen, Wirtschaftverbände und Kommunen der ganzen Welt. Er bezieht Jugendliche, Obdachlose, Fabrikarbeiter und Menschen in Slums mit ein. Kritiker sind ihm willkommen, Rückschläge machen ihm nichts aus, er tut das, „was er wirklich wirklich will“, egal, wer oder was sich ihm in den Weg zu stellen scheint. Seit einigen Jahren florieren seine Ideen und finden zahlreiche Anhänger in der „New Work“-Bewegung. 

 

Frithjof Bergmann verstand es wie kein zweiter, die richtigen Fragen zu stellen, um letztlich nicht nur „Neue Arbeit“ sondern auch „Neue Kultur“ zu schaffen. Seine Gedanken sind wie nie zuvor am Puls der Zeit und werden weiterleben. 

 

Weiteres Material
„Arbeit, die man wirklich, wirklich tun will“

Die Neue Arbeit versteht sich nun ganz entschieden als Alternative zum Lohnarbeitssystem. Da das Lohnarbeitssystem sich als völlig ineffizient und unproduktiv erweisen hat, auch nur eins der anstehenden Probleme annähernd zu lösen, muss es durch ein neues System abgelöst werden.

Wieso unsere Arbeit sich verändern muss

Lohnarbeit reduziert den Menschen auf die jeweils gerade benötigte Arbeitskraft. Wenn jemand eingestellt wird, um eine präzise definierte Aufgabe zu erfüllen, zum Beispiel Sand zu schaufeln oder Schrauben festzudrehen, ist es völlig uninteressant, ob derjenige auch noch gut singen und dichten kann.