Verbanne niemanden aus deinem Herzen

Weshalb wir uns bestimmten Menschen gegenüber verschließen

Verschließe Dein Herz nicht

Verschließe Dein Herz nicht. ©thezartorialist.com/flickr

Wir kennen alle Menschen, die, ähm … sagen wir mal, herausfordernd sind. Vielleicht ein kritischer Vater oder eine kritische Mutter, eine Vorgesetzte, die sich aufspielt, ein Verwandter, bei dem du ständig aufpassen musst, was du sagst, ein netter aber unzuverlässiger Freund, eine Kollegin, die dich einfach nicht mag, ein Partner/in, der/die Vereinbarungen nicht einhält oder ein Politiker, mit dem du nicht übereinstimmst. Ich denke gerade an einen Nachbarn, der sich geweigert hat, seinen Anteil an einem Zaun zwischen unseren Grundstücken zu zahlen.

„Die Hölle, das sind die anderen.“

Sicher ist das – was übrigens Jean-Paul Sartre sagte – etwas übertrieben. Aber die meisten Verletzungen, Enttäuschungen und Gereiztheiten eines Menschen entstehen typischerweise als Reaktion auf andere Menschen.

Ironischerweise musst du so mit anderen Menschen verbunden sein, dass sie dich durcheinanderbringen können. Nur dann können gute Beziehungen für uns erfüllend sein. Wir Menschen haben uns im Laufe der Evolution immerhin als die am tiefsten von Beziehungen abhängigen Tiere des Planeten entwickelt!

Wieso es natürlich ist, wenn wir uns verschließen

Nehmen wir einmal an, du hast versucht, die Dinge zum Besseren zu wenden – wie zum Beispiel selbst das Beste zu tun und vielleicht hast du auch versucht, Dinge offen anzusprechen, vernünftige Vereinbarungen zu treffen, hast Grenzen gesetzt etc. – aber die Ergebnisse waren nur unvollständig oder gar nicht vorhanden.

An solch einem Punkt ist es natürlich, sich dem anderen Menschen zu verschließen, was oft von Gefühlen der Besorgnis, Verbitterung und Verachtung begleitet wird. Obwohl sich das Gehirn entwickelt hat, um sich um „uns“ zu kümmern, so hat es sich auch entwickelt, um sich von „ihnen“ zu trennen, die anderen auszubeuten und anzugreifen – und diese frühen neuralen Mechanismen können dich leicht wieder in ihren Bann ziehen.

Aber sich zu verschließen, fühlt sich nicht gut an. Dein Herz wird schwer und eng. Und es konditioniert dein Gehirn, noch angespannter zu sein und empfindlicher zu reagieren, was dich in Schwierigkeiten bringen kann, und zudem den anderen Menschen dazu bringen kann, so schlimm wie noch nie zu handeln.

Kümmere dich um dich selbst und höre auf dein inneres Wissen

Manchmal musst du den Telefonhörer einfach auflegen, jemanden auf Facebook blockieren, den Sender im Fernsehen wechseln oder in einem Hotel übernachten, wenn du Verwandte besuchst. Manchmal musst du jemandem aus deiner Firma, aus deiner Arbeitsgruppe – oder aus deinem Bett – werfen oder von der Liste deiner Partygäste streichen.

In extremen Situationen, wie Missbrauch, kann es sich richtig anfühlen, sich für eine Zeit oder für immer vollkommen von dem anderen Menschen zu distanzieren; kümmere dich in diesen Situationen um dich selbst und höre auf das innere Wissen, das dir sagt, was das Beste für dich ist. Aber im Allgemeinen: Verbanne niemanden aus deinem Herzen.

Beobachte im Lichte dessen achtsam, wie es sich – körperlich, emotional, mental – anfühlt, wenn dein Herz einem bestimmten Menschen gegenüber verschlossen ist. Achte auf die scheinbar guten Gründe, die das reaktive Gehirn bzw. der reaktive Verstand gibt, um es zu rechtfertigen.

Wie Du daraus lernen kannst

Im Angesicht der Realitäten dieses herausfordernden Menschen frage dich, was ein besserer Weg für dich gewesen wäre? Vielleicht hättest du beispielsweise andere um Rat fragen oder dich besser um dich selbst kümmern sollen, damit es nicht so stark auf dich wirkt? Oder du hättest früher etwas sagen sollen, um zu verhindern, dass die Situation eskaliert? Oder mit deinen innerlichen Reaktionen geschickter umgehen müssen? Vielleicht hast du selbst etwas getan, womit du dazu beigetragen hast, dass der andere schwierig ist? Egal worin diese Lektionen bestehen, es geht dabei nicht um Lob oder Tadel, sondern um Lernmöglichkeiten für dich.

Und wenn du bereit bist, untersuche noch einmal, was geschieht, wenn du diesem Menschen gegenüber dein Herz öffnest. Das Leben war auch für ihn oder sie schwer. Vielleicht verändert sich nichts in deinem Verhalten oder in der Natur der Beziehung. Aber trotzdem wirst du dich anders – und besser – fühlen.

Vergesse Dich selbst nicht

Und als Letztes: Verbanne dich selbst nicht aus deinem Herzen. Wenn du dich als einen anderen Menschen kennen würdest, würdest du dann diesen Menschen nicht in deinem Herzen halten wollen?

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Put no one out of your heart veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

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Alle Rechte vorbehalten. Rick Hanson/Arbor Verlag