Elisha Goldstein

Der Stresszyklus

Wie wir Stress erkennen und mit ihm umgehen können
Der Stresszyklus: ärgerlicher Löwe

Was passiert, wenn wir gestresst sind? Wie reagiert unser Körper? Was passiert in unseren Gedanken und mit unseren Gefühlen? Und wie können wir erkennen wann wir uns genug aufgeladen haben? Erst, wenn wir diese Fragen beantworten können und wissen wie sich Stress für uns anfühlt, können wir aktiv etwas dagegen tun.

In meiner Zeit als Psychologe habe ich mit vielen Menschen gearbeitet, die Probleme mit ihrer Überbeanspruchung bei der Arbeit oder grundsätzlich mit Stress hatten. Zwar ist jedes Problem einzigartig und ganz persönlich, doch die meisten von uns sind sich einfach nicht jener weit verbreiteten Muster bewusst, die uns in einen Stresszyklus führen, aus dem wir scheinbar nicht ausbrechen können. Fortwährend haben wir das Gefühl, überfordert und festgefahren zu sein.

Wie wir den Stresszyklus identifizieren können

Wenn Sie Stress empfinden, setzt ein sich selbst verstärkender Kreislauf zwischen Ihren Gedanken und Gefühlen, Ihrem Körper und Ihrem Verhalten ein. Wenn Sie beispielsweise einen Termin einzuhalten haben, tauchen für gewöhnlich sorgenvolle Gedanken auf, begleitet von Emotionen wie Furcht oder Angst und körperlichen Empfindungen wie Anspannung, einem beschleunigten Atem und einer erhöhten Herzfrequenz im Körper, gefolgt von einem hektischen Verhalten.

Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: In Ihrer Arbeit bleibt die erhoffte Beförderung aus. Ihr Geist schweift möglicherweise zu Gedanken des Versagens in der Vergangenheit, zu Gedanken einer möglichen Entlassung oder zur Selbstverurteilung, etwa: „Ich bin ein Idiot, ohne Perspektive, ich bin nichts wert“. Diesem Zyklus folgen dann Emotionen wie Angst, Ärger oder Niedergeschlagenheit, verbunden mit körperlichen Empfindungen wie Müdigkeit, begleitet von Gefühlen der Überforderung und einem Mangel an Motivation oder Interesse, irgendetwas zu tun. Wenn wir ängstlich oder depressiv sind, ist es einfacher, von dem abgelenkt zu werden, was genau jetzt am wichtigsten ist, und das führt zu Ineffizienz bei der Arbeit und im Leben.

Mangelndes Bewusstsein als Trennung

Dr. Gary Schwartz, Psychologe und Stressforscher, beschreibt dies noch eindringlicher. Seiner Ansicht nach führt mangelndes Bewusstsein zu Trennung, und dadurch entsteht ein Ungleichgewicht. Mit anderen Worten: Wenn Sie sich Ihres Stresszyklus’ nicht bewusst sind, sind Sie getrennt von Ihren Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen, und dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Geist und Körper.

Auf der anderen Seite entsteht automatisch eine Verbindung zwischen Ihren Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen, wenn Sie sich dieses Zyklus’ stärker bewusst sind. Dies führt dann zu mehr Gleichgewicht und versetzt Sie in die Lage, kompetent zu handeln, um bei Ihrer Arbeit und in Ihrem Leben effektiv zu sein.

Mit diesem Bewusstsein ist es leichter für Sie zu erkennen, wann – aufgrund Ihrer Sorge angesichts eines Termins – Ihr Körper angespannt oder Ihre Atmung flach ist, und Sie bemerken, wie dieser Stresszyklus abläuft. Wenn Sie dies verstehen, beginnen Sie, Ihre Muskeln zu entspannen und achtsam zu atmen, was Ihren Blutfluss reguliert und das Gleichgewicht zwischen Geist und Körper wiederherstellt, so dass Sie sich auf das fokussieren können, was genau jetzt am wichtigsten ist.

Stressvolle Situationen verringern

Je intensiver Sie sich mit der Achtsamkeitspraxis beschäftigen, umso mehr werden Sie Ihr Bewusstsein steigern und in der Lage sein, sich dafür zu entscheiden, positive Veränderungen anzugehen und stressvolle Situationen zu verringern. Sie können aktiv daran teilnehmen, Ihre unschätzbare Quelle der Aufmerksamkeit zu kultivieren, Ihre Gesundheit und Ihr Wohlergehen zu managen und das Potential zu entwickeln, sich in jedem Augenblick mit einem größeren inneren Gleichgewicht und einer stärkeren Fokussierung einzubringen, wie herausfordernd die Situation auch immer sein mag.

 

Dieser Artikel stammt aus dem Buch @work.

Weitere Artikel
Wir können übermäßig verbunden sein – bis zu einem Punkt, wo wir die Verbindung zu uns selbst verlieren
Technologie ist ohne Frage wichtig und hilfreich! Sie vereinfacht uns das Leben, durch sie können wir mit anderen Menschen verbunden sein. Wann aber ist der Punkt erreicht an dem sie uns von uns selbst wegführt?
Wie digitale Geräte Achtsamkeit unterstützen können

So gern wir unserer Technologie auch oft entkommen möchten, die Anforderungen unserer Arbeitsaufgaben lassen uns oft keine Wahl. Elisha Goldstein gibt uns Ratschläge, wie wir unsere digitalen Geräte verwenden können, um uns in unserer Achtsamkeitspraxis zu unterstützen.

Der Raum zwischen Stimulus, Reiz und Reaktion

Wie oft stressen uns kleinere tägliche Erfahrungen und beeinflussen unsere Gedanken und Emotionen? Und wie wirkt sich das auf unseren Körper aus? Achtsamkeit hilft uns, uns darüber bewusst zu werden und lässt uns die Wahl, wie wir reagieren.