Schaukeln – Flucht vor der Wirklichkeit?

Die berühmte Einschlaf-Brücke Nordkaliforniens

Viele Eltern schaukeln Ihre Babys auf dem Arm hin und her und hin und her … damit sie einschlafen. Oder sie fahren mit ihm im Auto ein paar mal um den Block, oder gehen Mitten in der Nacht spazieren. Hin und her wiegen ist eine Methode die oft hilft, aber ist sie wirklich gut?

Zum Schlafen eine Runde drehen.

Ich glaube nicht, dass wir Babys schaukeln müssen, um sie zu beruhigen oder beim Einschlafen zu unterstützen. Sowohl Schaukelstühle als auch Wiegen führen zu einem veränderten Bewusstseinszustand und das ist letztlich eine Flucht vor der Wirklichkeit.

Ich habe von verzweifelten Eltern gehört, die ihr Kind (in einem Autokindersitz angeschnallt) auf einen Wäschetrockner gesetzt haben, und von anderen Eltern, die ihr Kind nachts im Auto herumgefahren haben, bis es einschlief. Es gibt im Norden Kaliforniens eine Brücke, die zittert und rappelt, wenn man darüber fährt. Das wurde ein berühmter Tipp für Eltern aus dieser Gegend, die zu sagen pflegten, wenn ihr Kind nicht schliefe, dann brauchten sie nur so lange über die Brücke hin und her zu fahren, bis es einschliefe.

Warum werden wir Eltern zu solchen Extremen getrieben? Erwachsene und auch Kinder tun besser daran zu lernen, mit den Realitäten umzugehen. In diesem Fall ist die Realität, dass jetzt Zeit ist schlafen zu gehen und dass das Kind lernt einzuschlafen. Das ist eine Fertigkeit, die zu lernen Zeit braucht. Lassen Sie Ihrem Baby die Zeit, die es braucht, um zu entdecken, wie es sich selbst beruhigen kann. Haben Sie Vertrauen, dass es das wird.

Geben Sie Ihrem Kind nicht das Gefühl verlassen zu sein, indem Sie es zu lange weinen lassen, aber springen Sie auch nicht sofort bei jedem Zeichen von Unwohlsein. Schon bald werden Sie ein Gefühl dafür entwickeln, ob Ihr Baby Sie braucht, oder ob es selbst mit der Situation zurecht kommt.

Erschienen in der Zeitschrift "Mit Kindern wachsen", Ausgabe: Heft Januar 2005

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